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  • AutorenbildNiklas Kammermeier

1 Haus. 1000 Erinnerungen.

Aktualisiert: 3. Feb. 2023


Seit Anfang des Jahres erforscht das interdisziplinäre Kollektiv kapfwiesers RAUMFLOTTE die Geschichte der gelben Villa in der Pirckheimer Straße 32 in Nürnberg. Ziel ist die Entwicklung einer ungewöhnlichen Ausstellung - eines Video-Walks, der die komplexen Zeitschichten des Hauses verknüpft, die Vielfalt des Erinnerns und des Vergessens zeigt und die Frage stellt: Wie sieht eine zeitgemässe Erinnerungskultur aus?


Zur Zeit befindet sich das Projekt noch in der Recherche- und Entwicklungsphase. Mit Mitteln einer Prozessförderung des Fonds Darstellende Künste konnte das Team in Archiven forschen, eine Recherchereise nach Südfrankreich unternehmen, Familienangehörige und Zeitzeug*innen treffen und interviewen und von Expert*innen lernen.


Die Funde des Teams geben einen tiefen Einblick in persönliche Geschichten der NS-Zeit, vor allem aber ihre Nachwirkungen bis weit in die jüngste Gegenwart.


So lebte die jüdische Familie Löb in dem Haus. Dokumente, Erinnerungen und Objekte zeugen vom Alltag beim FCN, vom Verrat durch Freunde, vom Mord an Simon Löb am 9. November 1938, von Flucht und Migration nach Frankreich und in die USA. Mit der Deportation und der Ermordung der beiden Söhne Rudi und Fritz gibt es heute keine direkten Nachfahren der Löbs mehr. Die französisch-deutsche Comic-Künstlerin Nathalie Frank ist eine Urgroßcousine der beiden. Seit sie davon weiß, beschäftigt sie sich im Medium des Comics mit ihrer jüdischen Identität.


Seit den 1950er Jahren lebte und arbeitete die Strafverteidigerin Gabriele Lehmann in der Pirckheimer 32. Sie verteidigte hohe Nazis während der Nürnberger Prozesse und wurde vor allem als Strafverteidigerin spektakulärer Mordfälle in den 1970er Jahren als „Ganoven-Gabi“ bekannt. Das Team fand Dokumente ihrer Ausbildung während der NS-Zeit, Briefwechsel mit NS-Kriegsverbrechern und eine Haushälterin, die sich heute noch sehr lebendig an Gabriele Lehmann erinnert.

Vor allem aber begegnete das Team einer großen Vielzahl an Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen erinnern. Von einer ganzen Community an New-Yorkern, die ihre Wurzeln in Nürnberg haben, über eine Nachbarin, einen ehemaligen Gärtner, einen Graffiti-Künstler bis hin zu einer 99 Jahre alten Tänzerin …. Jeder dieser Menschen erinnert auf seine*ihre eigene, ganz persönliche Weise. Diese Vielfalt möchte das Projekt feiern.


v.l.n.r. Audiokünstlerin Elena Zieser, Kulturmanagerin Simira Tang, Video- und Theatermacher Niklas Kammermeier, Kulturwissenschaftler Felix Hörath, Szenografin Maria Pfeiffer

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